Markt Schopfloch

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Neuigkeiten aus der Gemeinde

1981 - 2021 Deutsch-Französische Regionalpartnerschaft

Bürger zeigen Europas Chancen

Partnerschaften zwischen Mittelfranken und Frankreich sind zu Erfolgsrezepten gegen Vorurteile und Nationalismus geworden

Die Briten sind weg, Ungarn und Polen spielen mit dem Ausstieg, der Nationalismus hat Auftrieb. Wo liegt die Rettung für die Europäische Union? In den Herzen möglichst vieler Bürger, meint Henri Ménudier. Den Bezirk Mittelfranken preist der Professor aus Paris als
leuchtendes Vorbild. „Hier sieht man, was Begegnungen bewirken“, sagte er in Schopfloch.

In der Aula der Grundschule hängt ein buntes Banner. Es zeigt Kinder, die fröhlich miteinander spielen. Sie tragen kräftige Farben. Schwarz, Rot und Gold die einen, Blau, Weiß und Rot die anderen. Über ihnen tanzen Buchstaben, sie ergeben zwei Ortsnamen. Schopfloch und Favars.

Favars ist ein kleiner Ort in der französischen Region Limousin. Vor elf Jahren stand Bürgermeister Oswald Czech im dortigen Rathaus. Sein Amtskollege hatte sich eine Schärpe in den Nationalfarben umgehängt, Oswald Czech trug sein breitestes Lächeln.

Sie unterzeichneten feierlich die Urkunden für eine Partnerschaft. Schopfloch schloss gleich noch warme Bande mit dem Nachbarort St-Hilaire-Peyroux. Lang hat man sich wegen Corona nicht gesehen, vielleicht im Dezember. „Sonst feiern wir eben im Sommer gleich unser zwölfjähriges Jubiläum“, sagt Oswald Czech. Was sind schon zwei Jahre mehr?


Und was sind 76 Jahre ohne Krieg? Eine ganze Menge, findet Henri Ménudier. Absoluter Rekord der Nachbarländer. „Vorher gab es in 75 Jahren drei Kriege zwischen Frankreich und Deutschland“, erinnert der Politikwissenschaftler an Millionen von Toten, Verletzten, körperlich und psychisch Versehrten.


Keine Generation ohne Krieg, 1890/91, 1914-1918, 1939-1945. Bei Deutschland gegen Frankreich denken dagegen heute die meisten an Fußballspiele wie das WM-Halbfinale 1982 (8:7 nach Elfmeterschießen) oder das WM-Viertelfinale 2014 (1:0). Es war ein langer Weg, für den immer wieder Brücken über die tiefen Gräben gebaut werden musste. „Was heute selbstverständlich ist, war vor 40 Jahren eine Pioniertat“, blickt Sylvie Feja in der Schopflocher Schule auf die ersten Kontakte zwischen Mittelfranken und ihrer Heimatregion Limousin zurück.

Daraus sind 36 Verbindungen zwischen Gemeinden in Mittelfranken und Frankreich geworden. „Die direkten Begegnungen zwischen Menschen wiegen schwer“, sagt Feja. „Sie zeigen, dass es immer einen Weg zu Frieden und Brüderlichkeit gibt. Hier schlägt das Herz Europas.“ Sylvie Feja hat ein 400-seitiges Buch mit Dr. Henri Ménudier, der die Begegnungen seit Jahrzehnten eng begleitet, über alle Partnerschaften geschrieben. Für den Politikwissenschaftler serviert es jede Menge Rezepte gegen die um sich greifende Europafeindlichkeit. „In Mittelfranken gibt es persönliche Kontakte zwischen allen Schichten der Gesellschaft. Menschen können sich gegenseitig über ihr Leben informieren.“ So haben Vorurteile keine Chance, das Verständnis für die anderen wächst. „In der zunehmenden Zersplitterung schwindet der Sinn für Gemeinschaft. Deshalb werden solche Partnerschaften noch wichtiger.“

Quelle: Fränkische Landeszeitung - Lokales - ein Bericht von MANFRED BLENDINGER